Bernd Joppichs Weblog


Digitales Arbeitsblatt: Die Lore-Ley

MMF3, 6. Aufgabe: Digitale Arbeitsblätter erstellen

Die Loreley

Didaktische Vorbemerkung:

Damit diese Aufgabe für mich interessant wird, möchte ich von meinen technischen Voraussetzungen ausgehen. Es steht mir für den Unterricht kein Computerraum zur Verfügung. Sondern ich kann nur auf maximal zwei Laptops mit Internetanschluss via WLan und zwei Beamer zurückgreifen. – Ich gehe weiter davon aus, dass ich in der betreffenden Klasse einen Klassenblog eingerichtet habe. Das Problem ist, dass es in jeder Klasse immer einige Schüler gibt, die keinen Internetanschluss zu Hause haben oder mit irgendwelchen Internetproblemen kämpfen. Diese Schüler will ich nicht von der Arbeitseinheit ausschließen.
Ich möchte gerne mit der Loreley-Interpretation der Singphoniker im Unterricht arbeiten. Davon gibt es aber im Internet keinen Videoclip, sondern nur eine kurze, für den Unterricht wertlose Hörprobe. Das heißt, ich muss mit der CD-Aufnahme arbeiten, die ich im Unterricht vom Rekorder vorspielen kann. Aus Copyright-Gründen kann ich diese Aufnahme natürlich nicht auf den Klassenblog überspielen.
Die Arbeitseinheit ist für einen Kurs auf der Niveaustufe Ende B1 oder B2 geplant.

Vorbereitungsphase (zu Hause):

Im Klassenblog steht folgende Arbeitsanweisung:

Liebe KursteilnehmerInnen!

Wir wollen uns in zwei Tagen mit dem Gedicht „Die Lore-Ley“ beschäftigen, das Heinrich Heine geschrieben hat.

Die Bedeutung der rot geschriebenen Wörter können Sie – wenn Sie sie nicht kennen – per Mausklick in einem digitalen Wörterbuch nachsehen. Hier finden Sie die Adresse dieses Wörterbuchs, falls Sie noch weitere Wörter brauchen:

Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig

Als weitere Hilfsmittel stehen ihnen zur Verfügung:

wikipedia.de

Redensarten-Index

Bildersuche bei google.de

Kursteilnehmer mit Internet-Problemen bekommen von mir diese Arbeitsanweisung auf Papier.

Hier ist das Gedicht:

Lore-Ley

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Es gibt im Gedicht einige Wörter, die in alter poetischer Sprache geschrieben sind:
der Sinn = das Denken, die Gedanken
sitzet = sitzt
blitzet = blitzt
mit dem Kamme = mit dem Kamm
die Melodei = die Melodie
im Schiffe = im Schiff
die Höh = die Höhe

Viel Glück beim ersten Durchlesen! Keine Angst, wenn Sie nicht alles verstanden haben. In zwei Tagen werden wir im Unterricht weiter mit dem Text arbeiten.

Erste Unterrichtsphase:

Wir hören uns das Lied auf der CD an.
Dann erhalten alle Kursteilnehmer ein Arbeitsblatt auf Papier. Die gedruckte Form des Gedichts brauchen sie, damit sie es im Unterrichtsraum mitlesen können, wenn das Lied von der CD abgespielt wird:

Lore-Ley

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Aufgabe 1: Bitte zeichnen Sie ein Bild der Situation! (Das Bild muss nicht perfekt sein; eine Skizze genügt.)
Aufgabe 2: Bitte beschriften Sie dieses Bild mit den Wörtern, die im Gedicht unterstrichen sind!

Weiterer Unterrichtsverlauf:

Wenn alle fertig sind, werden die Skizzen im Unterrichtsraum ausgehängt. Die Kursteilnehmer gehen herum und schauen sich die Produkte ihrer Kollegen an.
Der weitere Unterrichtsverlauf hängt ganz von der Klasse ab. Ich möchte Gespräche in kleinen Gruppen ebenso wie Plenumsgespräche zulassen. Ich mache Mut, dass alle Gedanken zum Gedicht und zu den Zeichnungen geäußert werden, so dass möglichst im Teilnehmergespräch eine bunte, vielfältige Interpretation entsteht. Selbstverständlich sind auch Gedanken zur Rezeption und der Bericht persönlicher Eindrücke und Erlebnisse zugelassen. („Alle Japaner können die Loreley singen, nicht aber alle Deutschen.“ – „Es gibt einen realen Loreley-Felsen am Rhein.“- „Ich war schon dort.“…)

Anschließend werden Gruppen-Hausaufgaben organisiert.
Dazu teile ich ein Arbeitsblatt auf Papier aus:

Liebe Kursteilnehmer!

Das ist die Hausaufgabe für alle:

1. Gibt es in Ihrer Heimat eine ähnliche Geschichte? Bitte schreiben Sie sie auf?
2. Oder: Schreiben Sie die Geschichte von Lore-Leys Bruder! Er hieß Lory-Ley, war Bergmann, arbeitete in einem Felsen am Rhein und suchte dort nach Silber.

Suchen Sie sich Partner, bilden Sie Gruppen und lösen Sie folgende Aufgaben:
Gruppe 1: Suchen Sie Informationen im Internet über den Dichter Heinrich Heine und über den Komponisten des Liedes, Friedrich Silcher! Gibt es noch andere Leute, die Loreley-Gedichte oder Loreley-Musik gemacht haben?
Gruppe 2: Suchen Sie Informationen über den Loreley-Felsen und über die Region, in der sich dieser Felsen befindet!
Gruppe 3: Stellen Sie eine Bildergalerie (Gemälde, Fotos, Grafiken) zum Thema „Lore-Ley“ zusammen, die Sie im Unterricht präsentieren können! Wählen Sie einige Bilder aus, zu denen Sie bei der Präsentation etwas sagen! Jedes Gruppenmitglied soll mindestens ein Bild präsentieren.

In einer Woche machen wir eine literarische Loreley-Stunde. Die Gruppen sollten eine Link-Liste zu ihrem Thema erstellen, die ich im Klassenblog veröffentlichen kann. Dann können Sie bei der Präsentation Ihrer Lösung die einzelnen Links benützen.
Aber bitte: Wenn Sie die Präsentation machen, müssen Sie frei reden. Sie dürfen nicht einen Text ablesen, sondern Sie dürfen sich nur Stichworte aufschreiben! Ablesen ist strikt verboten!
(Tipp: Es ist vielleicht gut für Sie, wenn Sie einen Word-Text mit wichtigen Stichworten auch in Ihre Link-Liste aufnehmen.)

Eine Woche später erfolgt dann die große literarische Matinee. Ergebnis offen. –

Im Klassenblog stehen nach Abschluss der Unterrichtseinheiten

  • die Linklisten der einzelnen Gruppen
  • eventuell kurze erklärende Texte der Gruppen, in denen die Gruppen ihre Präsentationen schriftlich zusammenfassen (dies aber nur, wenn es die Gruppen wollen)
  • vielleicht einige interessante Texte, die im Zusammenhang mit der Hausaufgabe für alle entstanden sind – also einige Märchenvarianten aus den Heimatländern oder Paralleltexte über Lore-Leys Bruder
  • und außerdem noch einige ausgewählte Bilder.

Am Ende werde ich in den Klassenblog dann noch einen Link setzen: Erfolgskontrolle .

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2 Kommentare so far
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Lieber Bernd,
vielen Dank für die Bearbeitung der Aufgabe und diese ideenreiche Didaktisierung. Das ist natürlich etwas außergewöhnlich, dass du im Zusammenhang mit dem Themenkomplex Deutschpop dieses Gedicht ausgesucht hast. Trotzdem ist es eine sehr gelungene Didaktisierung geworden . Du hast dir kreative Ideen einfallen lassen und interessante Aufgaben entwickelt. Was hältest du aber davon, noch eine Aufgabe zum selektiven oder detaillierten Verstehen vor die Rechercheaufgaben einzubauen?
LG Caroline

Kommentar von Caroline

Hallo Bernd,
zuerst habe ich mich gewundert….. „Die Loreley“?!?! Und wir waren gerade in einer anderen Zeit…. – Aber ich finde dein Arbeitsblatt dennoch sehr interessant. besonders am Anfang als ein bild skizziert werden soll.
Und dann werden die roten Wörter hinzugefügt. Da können die Teilnehmer stolz sein, was sie zur Wortschatzarbeit geleistet haben. Schön und gut durchdacht, finde ich ! Was denkst du in welcher Niveaustufe du das einsetzen würdest?

Liebe Grüße
Sabine

Kommentar von Sabine Rathmann-Schneider




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